Amcha עמך

Nachdem ich bis jetzt hier eigentlich immer bei der Beschreibung meiner Arbeit von Kivunim, meinem größeren Projekt, berichtet habe, möchte ich nun auch einmal etwas zu Amcha schreiben wo ich auch 5h in der Woche bin.

Amcha ist eine staatliche Organisation zur Betreuung von Holocaustüberlebenden und der zweiten Generation, also den Kindern von Überlebenden. Hier in Nahariya hat Amcha erst 2007 aufgemacht und sich so zwar langsam etabliert, dennoch weiß noch lange nicht jeder was dort gemacht wird und das es dieses Angebot gibt.

Das Büro von Amcha ist zum großen Teil ein Ort für Einzelgsräche. Jeder Psychologe der dort Arbeitet hat seinen eigenen Raum dort (insg. sind hier drei tätig) und kann individuell auf Bedürfnisse eingehen. Zum anderen aber gibt es auch Gruppenaktivitäten von Amcha direkt oder von Freiwilligen, so zum Beispiel eine Bridge-Runde oder Gymnastik Stunden. Da es hier nun recht frei ist was angeboten wird, wurde auch ich zu Beginn gefragt, was ich denn gerne machen würde. Diese Frage überraschte mich ein wenig, denn zuerst hatte ich mit einer festen Aufgabe gerechnet. Da sich nun viele Ältere hier noch dafür interessieren wie sie mit dem Computer umgehen können um Mails zu schreiben etc. habe ich nun ersteinmal einen mehr oder weniger festen Kreis von fünf Personen in der Woche die ich entweder bei Amcha oder bei ihnen zu Hause treffe um ihnen (momentan noch auf Deutsch oder Englisch) weiter zu helfen (vielleicht werde ich bald noch etwas anderes anfangen, das weiß ich aber im Moment noch nicht genau). Welche der beiden Sprachen gesprochen wird hängt davon ab, was die Leute können, bzw. was sie sprechen wollen. So gibt es zum einen solche, die Deutsch noch ihren Kindern und Enkeln beigebracht haben und es zu Hause pflegen, es gibt aber auch solche, die es zwar verstehen, aber nicht gerne hören oder gar sprechen wollen. Darum ist es manchmal ein Misch-Masch aus beidem und dem Bisschen an Hebräisch was ich mir langsam aneigne.

Auch wenn der Grund warum ich mich mit den Leuten dort treffe eigentlich das Lernen bei ihnen ist, so erzählt man sich doch viel nebenher und so ist es dort viel mehr für mich als “nur” ein wenig am Computer zu zeigen. In einer Stunde sind wir z.B. über das Schreiben auf das Thema der Sprache zu sprechen gekommen und N. erzählte mir, dass sie bis dato für mehr als 60 Jahre kein Deutsch mehr gesprochen hatte. Weiter erzählte sie mir dann noch, dass sie die einzige ihrer Familie war, die eines der Lager überlebt hat und nach ’45 dann nach Israel gegangen ist. Ein anderes Mal erzählte mir E. wie er beim Angriff der Deutschen Wehrmacht auf Russland mit seiner Familie geflohen ist (er war zu der Zeit wohl noch Kind), als ich ihm geholfen habe herauszufinden, wie weit es in etwa von seinem ehemaligen Heimatort bis zur Wolga ist. Solche Geschichten und  Schicksale geben mir oft viel zu denken, so dass die Stunden bei Amcha wenn sie auch manchmal nicht viel erscheinen doch so tief wirken können, dass ich manchmal das Gefühl habe ich bräuchte Zeit um soetwas zu verarbeiten.

Doch gerade dies ist es, was ich als Chance zu begreifen beginne. Ich habe noch die Möglichkeit mit diesen Leute zu reden. Ich habe noch die Möglichkeit Fragen zu stellen und zu zeigen, dass sich etwas geändert hat. So merke ich an machen Tagen was es ausmacht, dass ich gerade mit ASF hier bin und das es eine gute Entscheidung war, denn auch wenn manche Sachen schwer vorstellbar sind, so bin ich doch immer wieder froh diese Dinge hier erleben zu dürfen.

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